Sabina Masel Coaching

Heilung durch Bewusstsein

2019-09-24

24.09.2019 – Wer bin ich? und wie viele bin ich?

Warum fällt es uns so schwer gewisse Vorhaben in die Tat umzusetzen? Z. B. keine Schokolade mehr zu essen, nicht mehr zu rauchen oder nicht mehr wütend zu werden.

Weil unser Gehirn nicht nur aus einem Teil besteht, sondern aus dreien. Ist ein Teil aktiv, sind die anderen beiden inaktiv. Mit welchem Teil wir grade online sind, hängt von unserem Gefühl der Sicherheit ab. Vielleicht kann man es sich am besten mit Radiosendern vorstellen. Wenn wir gerade WDR 2 eingestellt haben, bekommen wir nicht mit, was auf Antenne Niedersachsen berichtet wird. Obwohl die Berichterstattung auf Antenne Niedersachsen weiterläuft, wir aber nicht auf Empfang sind. Das ist alles nicht so wild, wenn wir wissen, wie wir den Regler bedienen können, um in den gewünschten Sender zu wechseln.

Welche drei Teile sind das und wofür sind sie da?

Der Hirnstamm oder das Reptiliengehirn ist aus evolutionärer Sicht der älteste Teil und hat die größte Macht, den „Sender auf Empfang“ zu stellen, z. B. um einen Reflex auszuüben. Darüber hinaus ist er mit unserem autonomen Nervensystem verbunden. Er steuert unter anderem die Herzfrequenz, den Blutdruck und die Atmung. Zudem ist er für Reflexe wie den Husten- und Schluckreflex oder den Liedschluss verantwortlich, um nur einige Aufgaben zu nennen. Der Hirnstamm kann gegen unseren Willen die Führung übernehmen, ohne Umwege über jüngere Hirnareale nehmen zu müssen. Er befindet sich im hinteren Teil des Kopfes und ist die Verlängerung unseres Rückenmarks. 

Das limbische System, auch Mittelhirn genannt, ist der zweitälteste und zweitmächtigste Teil unseres Gehirns. Es dient der Verarbeitung von Emotionen und Triebverhalten. (Diese Darstellung ist stark vereinfacht. Andere Hirnstrukturen haben ebenfalls einen Einfluss auf unser Treibverhalten aber an dieser Stelle, reicht uns die vereinfachte Sichtweise). Es ist für die Ausschüttung von Endorphinen (Belohnungssystem) zuständig und ist immer dann aktiv, wenn wir uns stark mit einer Emotion identifizieren. Wir sind dann diese Emotion, statt sie einfach nur wahrzunehmen und so beeinflusst sie unser Verhalten.
 
„Ich bin wütend!“  vs.  „Ich verspüre ein Gefühl der Wut“

Es erzeugt die „rosarote Brille“, wenn wir verliebt sind oder es hindert uns Dinge zu tun, weil die Angst uns warnt oder lähmt. Im Nachhinein finden wir so manche Handlung, die wir mit diesem Teil des Gehirns getroffen haben, wenig nachvollziehbar und können auch erst dann die gesamte Tragweite unserer Handlungen erkennen. Zwar könnten wir mit einiger Anstrengung den „Sender verstellen“, aber können ist nicht gleich wollen.

Der dritte und jüngste Teil unseres Gehirns ist der präfrontale Kortex. Er befindet sich hinter unserer Stirn. Er ist aktiv, wenn wir zum Bedürfnisaufschub fähig sind. Das bedeutet, dass wir in der Lage sind Dinge zu tun, weil sie nötig sind, auch wenn wir keine Lust dazu haben. Wir stehen jeden Morgen auf, um zur Arbeit zu gehen, auch wenn wir müde sind und eigentlich gern noch liegen bleiben würden. In diesem Modus ist uns die Auswirkung unserer Handlungen weitestgehend bewusst. Wir sind in der Lage die Dinge mit etwas Abstand zu betrachten und handeln reflektiert und sind kontemplativ.
 
Wie sieht es denn nun in der Realität aus, wenn diese drei Teile versuchen ihren Sender auf Empfang zubringen?

Hier ein Beispiel: Bitte stellen sie sich folgendes vor.
Sie wollen keine Schokolade mehr essen. Sie haben gute Gründe – sei es die Figur oder die Gesundheit, die ihnen am Herzen liegt – und sie beschließen voller Überzeugung mit Ihrem präfrontalen Kortex:

„ICH WILL KEINE SCHOKOLADE MEHR ESSEN!“

Sie stehen an der Bushaltestelle und haben gerade ihren Bus verpasst. Es ist kalt, sie sind müde und sie müssen noch 20 Minuten auf den nächsten Bus warten. Plötzlich entdecken sie in Ihrem Rucksack eine angefangene Tafel ihrer Lieblingsschokolade. Lassen wir die Situation kurz auf uns wirken. Natürlich klopft da gleich unser Lustzentrum an. Je kälter es ist und je müder wir sind, desto schneller haben wir ins limbisches System gewechselt und die Devise lautet plötzlich:

„SCHOKOLADE ESSEN!“

Die Worte „wollen“ und „nicht“ sind verschwunden und der präfrontale Kortex mit ihnen. Sogleich widmen sie sich dem Inhalt ihres Rucksackes. Man will ja nicht riskieren, dass sich der Sender wieder verstellt. Noch während sie versuchen die Schokolade herauszufischen hupt es laut. Ihr Bus hatte nur Verspätung und steht nun direkt hinter ihnen und sie zu nah an der Fahrbahn. Da holen sie nicht erst in Ruhe die Schokolade aus der Tasche und erschrecken sich dann. Dank des Hirnstamms ist die Schokolade aus ihrem Kopf verschwunden und das limbische System hat schlagartig Sendepause. Vermutlich springen sie von der Fahrbahn und ganz sicher zieht sich ihr Körper in Richtung Embryonalstellung zusammen. Der Puls schnellt in die Höhe, das Herz rast. Aber nachdem sie die Situation für ungefährlich befunden haben, beruhigt sich alles wieder und wenn sie Glück haben, ist ihnen erst einmal die Lust auf Schokolade vergangen, weil noch für kurze Zeit ein flaues Gefühl in der Magengegend vorhanden ist.

Das sind alles biologisch sinnvolle Vorgänge, solange wir nicht in einem dieser Zustände stecken bleiben, wie es bei einem Trauma der Fall ist. Traumatische Erlebnisse werden als überwältigend wahrgenommen. Hierbei spielt die Wahrnehmung eine große Rolle. Ob ein Erlebnis traumatisch ist oder nicht ist nicht von dem Ereignis, sondern von der individuellen Wahrnehmung eines Menschen abhängig. Was für den einen überwältigend ist, bereitet einem anderen lediglich einen kurzen Schreck. Im Falle eines Traumas wird im Körper Energie bereitgestellt, die nach dem Ereignis nicht wieder abgebaut werden kann. Das Nervensystem bleibt in einem Aktivierungszustand, in dem sich bestimmte Körperfunktionen wie Atmung und Herzschlag verändern, genauso wie die Wahrnehmung von Gefahr. Viele Menschen denken dann, sie hätten ein psychologisches Problem und versuchen durch Therapien eine Besserung zu erreichen. Da das Problem im Körper steckt und nicht in der Psyche, ist das auf diesem Wege nur schwer möglich. Versucht man stattdessen das Problem auf Körperebene zu beseitigen, ist es überraschend einfach. Hierfür finden wir gute Beispiele in der Tierwelt. Aber dazu mehr in meinem nächsten Beitrag.

Admin - 20:24:36 | 5 Kommentare


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